Kultur im Ruhrgebiet ist in erster Linie auch Fußballkultur. So lag es nahe, den fränkischen Besuch in den Tempel aller Fußballtempel zu entführen und eine Führung durch die Veltins-Arena und das Schalke-Museum zu buchen. Obwohl ich von Eröffnung an (2001) eine Dauerkarte für die Arena habe, gab es dabei auch für mich ganz neue Eindrücke zu sammeln.
Das war dann auch die einzige erfreuliche Erfahrung mit Königsblau an diesem Samstag, das Spiel in Hannover geriet bekanntermaßen zum 2:4-Desaster. Dat is eben Schalke.
U2s 360°-Tour machte am Montag Station auf Schalke und der O-Jay war dann mal dabei. Keine Karte mehr bekommen (1993, 2001, 2005) bzw. bereits erworbenes Ticket an eine Bekannte verschenkt (1997)- so war es diesmal mein erstes U2 Konzert überhaupt. Und für gerade einmal 42 € sollte ich mein Kommen nicht bereuen.
Alleine der spektakuläre Bühnenaufbau namens "The Claw" (Bono: "Danke, das wir unseren Weltraumschrott hier aufbauen durften") ließ einen schon vor Konzertbeginn mächtig staunen. Als Support-Act absolvierte Snow Patrol runde 45 Minuten ein starkes Programm, welches alle bekannten Gassenhauer beinhaltete und auch vom Sound gut rüberkam.
U2s darauf folgende Show erfüllte alle Erwartungen, welche wirklich nicht niedrig angesetzt waren. Der Sound, welcher in der Regel bei Konzerten in der Arena immer ein Problem darstellt, war deutlich besser als beispielsweise beim 2003er Springsteen-Konzert an gleicher Stelle. Lichtshow und Projektionen setzten Band und Bühne perfekt in Szene, wurden aber nicht exzessiv eingesetzt. Gleich 4 Songs vom neuen Album gleich zu Beginn am Stück zu spielen ist ein Luxus, den sich in diesem großen Rahmen außer den Iren wohl wenige erlauben können, ohne dass das Publikum murrt. Mit den bewährten Crowd-Pleasern "Beautiful Day" und "Elevation" erweckt die Band die 74.000 dann aus einer etwaig eintretenden Lethargie, bevor mit "I Still Haven't Found What I'm Looking For" der erste ganz große Hit keinen mehr sitzen ließ. Die Mischung stimmt fortan, bei "Vertigo" reisst The Edge eine Saite und die Band beginnt den Song von vorn (auch die größte Band des Planeten ist nicht perfekt). Die aktuelle Single wird im schmissigen Disco-Remix dargeboten (interessantes Experiment) und natürlich dürfen die politischen Statements nicht fehlen ("Walk on", Einspielung einer Rede von Bishop Tutu). Das kann man mögen oder nicht, bei Bono ist es eben im Eintrittspreis mit enthalten. Danach folgt der Höhepunkt des Abends: in einer durch die Displays der Mobiltelefone ausgeleuchteten Arena á la Milchstraße bieten U2 ihren vielleicht besten Song dar: "One". Auch die vor ein paar Jahren grässliche verschandelte Version mit Mary J. Blidge kann der Erhabenheit des Songs nichts anhaben. Für mich ein Top10-Moment meiner persönlichen Konzert-Historie, und ich habe beileibe nicht wenig Konzerte gesehen.
Die Zugabe, welche "Ultra Violet" von meinem Lieblingsalbum Achtung Baby, den Über-Klassiker "With Or Without You" und das formidable "Moment Of Surrender" umfasst, setzt den Schlusspunkt unter einen denkwürdigen Abend. Ich habe jedenfalls hinterher nur glückliche Menschen gesehen. Well done boys.
Die Setlist:
Breathe No Line on the Horizon Get On Your Boots Magnificent Beautiful Day Elevation I Still Haven't Found What I'm Looking For Stuck In A Moment You Can't Get Out Of Unknown Caller The Unforgettable Fire City Of Blinding Lights Vertigo I'll Go Crazy If I Don't Go Crazy Tonight Sunday Bloody Sunday Pride (In The Name Of Love) MLK Walk On Where The Streets Have No Name One
Encore: Ultraviolet (Light My Way) With Or Without You Moment of Surrender
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