Urlaubszeit - Lesezeit
Im normalen Alltag hat man ja aufgrund diverser Verpflichtungen und Beschäftigungen (hat hier jemand Internet gerufen?) kaum mal Zeit, ein vernünftiges Buch in angemessener Zeit zu lesen. Meistens zieht sich das bei mir über etliche Wochen, da ich immer nur wenige Seiten vor dem Einschlafen schaffe. Wie schön, dass man im Urlaub weitgehend ohne Ablenkung der Schmökerlust frönen kann.
Frisch gelesen am Strand von Zeeland:
#1 In die Wildnis (Jon Krakauer)

Die Story des Chris McCandless, der alles aus seinem bisherigen Leben zurücklässt und nach zweijähriger Wanderschaft quer durch den nordamerikanischen Kontinent in der Wildnis Alaskas den Hungertod findet. Ich hatte jüngst die Verfilmung von Sean Penn gesehen und die Geschichte ließ mich wochenlang nicht mehr los. Die Buchvorlage zeichnet die Stationen von McCandless' Odyssee nach, beleuchtet die Hintergründe und zeigt vergleichbare Fälle auf. Insofern eine sinnvolle Ergänzung zum Filmstoff. Das Buch zog mich ähnlich in den Bann und war nach 2 Tagen durchgelesen. Klare Empfehlung.
#2 Achilles' Verse II (Achim Achilles)
Bereits im letztjährigen Urlaub hatte ich mir Achilles Verse Band 1 sowie das Walker-Hasser Manifest zu Gemüte geführt. Genau dort knüpfen die in Band 2 gesammelten Kolumnen des Achim Achilles alias Journalist Hajo Schumacher an. In gewohnt gewollt polemischer Form und mit gehöriger Portion Selbstironie reflektiert Achilles die täglichen Freuden und Leiden des passionierten Freizeitläufers. Oft genug findet man sich da selbst wieder, jedoch auch als Nicht-Läufer oder gar als Walker sollte man an dem Buch seinen Spaß finden. Kann man gepflegt am Stück durchlesen. Danach wird gefälligst gelaufen.
#3 Der kleine Bruder (Sven Regener)

Der Abschluß der Frank Lehmann-Trilogie von "Element Of Crime"-Mastermind Sven Regener. Nach den formidablen Vorgängerwerken Herr Lehmann (2001, 3. Teil) und Neue Vahr Süd (2004, 1. Teil) knüpft der Mittelteil zeitlich unmittelbar am vorigen Buch an und behandelt Frank Lehmanns Ankunft im geteilten Berlin. Auf der Suche nach seinem großen Bruder Manni, den hier alle nur Freddie nennen, trifft Frank auf allerlei skurrile Charaktere. Im Grunde genommen passiert gar nicht viel, umfasst die Handlung doch gerade einmal 3 Tage. Angesichts der teils wahnwitzigen Dialoge und Gedankengänge fühlt man sich aber sofort wieder wohl, als hätte es die Pause von 4 Jahren seit der Lektüre des Vorgängers nie gegeben. Die teils negativen Kritiken an dem Werk kann ich persönlich nicht nachvollziehen. Eher präsentiert sich Regener wieder einmal in gewohnter Bestform. Am Ende verbleibt die Hoffnung auf Verfilmung der Teile 1 und 2, wenn schon die Buchtrilogie hier endet. Einen passenden Hauptdarsteller wüsste ich schon ...


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